24. Juni 2026

Midsommar am CCHA 2026 – Rückblick

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Am 17. Juni 2026 durfte das CCHA rund 26 Partnerinnen und Partner, Kollaborierende sowie Kolleginnen und Kollegen zum zweiten Midsommar-Event begrüssen.

Vom erfolgreichen Auftakt zur wachsenden Tradition
Im vergangenen Jahr wurde das Midsommar am CCHA erstmals als Networking-Event ins Leben gerufen. Ziel war es, klinische Partnerinnen und Partner, Forschungskollaborierende sowie Mitarbeitende des Kinderspitals Zentralschweiz zusammenzubringen. Die positive Resonanz und das grosse Engagement der Teilnehmenden haben uns darin bestärkt, den Anlass weiterzuführen. Mit der diesjährigen Durchführung fand bereits die zweite Ausgabe statt, und wir freuen uns darauf, Midsommar künftig jedes Jahr im Juni als festen Höhepunkt zu etablieren.

Keynote: Zwischen Grenzen und Möglichkeiten
Der Nachmittag wurde mit einer Keynote von Prof. Dr. Christian F. Baumgartner eröffnet, Assistenzprofessor für Health Data Science an der Universität Luzern und Mitglied des Advisory Boards des CCHA.

In seinem Vortrag „Between Limits and Possibilities – How Humans and Machines Can Safely Decide Together“ beleuchtete er sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen von künstlicher Intelligenz in der Medizin. Einerseits ermöglicht KI frühere und präzisere Diagnosen, reduziert medizinische Fehler, steigert die Effizienz und eröffnet Möglichkeiten, die über die menschliche Wahrnehmung hinausgehen. Andererseits wirft sie eine grundlegende Frage auf: Wenn KI Dinge erkennt, die Menschen nicht sehen können, wer behält dann die Kontrolle?

Christian Baumgartner zeigte auf, dass KI anders versagt als Menschen. Fehler treten häufig systematisch statt zufällig auf, wirken sich in grossem Massstab statt in Einzelfällen aus und bleiben für Nutzerinnen und Nutzer oft unsichtbar. Gleichzeitig können bestehende Prüf- und Kontrollmechanismen mit der rasanten technologischen Entwicklung kaum Schritt halten. Seine Antwort auf diese Herausforderungen: KI-Systeme entwickeln, die ihre Entscheidungen erklären können, Transparenz gesetzlich verankern, Zertifizierungsstandards stärken und den Fokus von der reinen Leistungsfähigkeit eines Tools auf die sogenannte „Collaboration Performance“ verlagern, also auf die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.

Drei Project Spotlights aus dem CCHA-Team und klinischen Partner:innen
Nach der Keynote wurden drei unserer Projekte vorgestellt. Jedes basiert auf demselben Grundprinzip, das die tägliche Arbeit des CCHA prägt: Eine Fachperson am Kinderspital Zentralschweiz hat eine spannende klinische Frage, aber weder die Zeit noch die Tools, die relevanten Daten aus dem System zu holen. Gemeinsam mit dem CCHA werden die Daten extrahiert, validiert und zur Grundlage für Forschung und Innovation gemacht.

1. DIVA Data – David Troxler (Oberarzt Kinder- und Jugendnotfall, KidZ) & Sergio Ruiz Carmona (Data Analyst, CCHA)
Das Legen eines peripheren intravenösen Zugangs (IV-Zugang) bei Kindern ist häufig eine Herausforderung. Neugeborene haben sehr kleine Venen, bei gut genährten Kleinkindern sind diese oft schwer auffindbar, und Kinder mit chronischen Erkrankungen weisen häufig fragile Gefässe auf. Jeder erfolglose Versuch bedeutet zusätzlichen Stress für das Kind und seine Familie. Unter der Leitung von Dr. med. Annique Weise und mit Unterstützung der Stiftung Zukunft Kinderspital führte das KidZ im Jahr 2025 ein Schulungsprogramm für ultraschallgestützte IV-Zugänge ein. Dabei wurde ein „Teach-the-Teacher“-Ansatz verfolgt, bei dem sowohl Pflegefachpersonen als auch Ärztinnen und Ärzte geschult wurden. Gemeinsam mit dem CCHA untersucht das DIVA-Projekt nun, ob diese Intervention die Erfolgsrate beim ersten Versuch verbessert und die Gesamtzahl der benötigten Punktionsversuche reduziert. Die Vision dahinter: weniger Fehlversuche, weniger Belastung für Kinder und Familien sowie ein Dashboard, mit dem die Teams ihre Fortschritte kontinuierlich überwachen und gezielt verbessern können.

2. Ein neues Ernährungskonzept auf der Neonatologie. Eine Prä-Post-Analyse – Lisa Berchtold (Pflegeexpertin Stufe 1, Neonatologie) & Anna Schöni (Data Analyst, CCHA)
Im Mai 2023 führte die Neonatologie ein überarbeitetes Ernährungskonzept ein. Statt Frühgeborene und kranke Neugeborene direkt von einem fixen Acht-Mahlzeiten-Regime auf sechs Mahlzeiten umzustellen, berücksichtigt eine neue „Semidemand“-Phase frühe Hungerzeichen, bevor zur Wunschkost übergegangen wird. Im Rahmen einer Prä-Post-Analyse wurden über 1’000 Neugeborene aus vier Gestationsaltersgruppen vor und nach der Einführung des neuen Konzepts miteinander verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich weder der Zeitpunkt der Umstellung auf die bedarfsorientierte Ernährung noch die anschliessende Gewichtszunahme signifikant veränderten. Gleichzeitig zeigte sich jedoch, dass Frühgeborene mit einem Gestationsalter zwischen 28 und 36 Wochen unter dem neuen Ernährungskonzept signifikant kürzere Spitalaufenthalte aufwiesen. Dieses Ergebnis konnte auch durch eine Sensitivitätsanalyse bestätigt werden, wobei nicht ausgeschlossen werden kann, dass weitere, nicht erfasste Faktoren einen Einfluss hatten. Die Resultate liefern dennoch wertvolle Hinweise darauf, wie das Ernährungskonzept künftig weiter optimiert werden könnte.

3. Aufbau eines standardisierten klinischen Datensatzes für pädiatrische Pleuropneumonien – Melina Ilar (Medizinstudentin) & Marcus Werners (Data Analyst, CCHA)
Die optimale Behandlung der Pleuropneumonie (PPN) bleibt weltweit eine klinische Herausforderung. Diese Machbarkeitsstudie, die kürzlich auch am Jahreskongress der pädiatrie schweiz in Lausanne vorgestellt wurde, nutzte elektronische Patientendossiers, um einen strukturierten Datensatz zu 96 pädiatrischen PPN-Fällen am KidZ aus den Jahren 2020 bis 2024 aufzubauen. Die Analyse identifizierte, welche Datenpunkte unmittelbar extrahierbar sind, welche eine aufwändige Nachbearbeitung erfordern und welche weiterhin manuell extrahiert werden müssen. Das Fazit: Der Aufbau einer sauberen und auswertbaren Datenbank ist grundsätzlich möglich. Gleichzeitig wurden konkrete Ansatzpunkte identifiziert, wie die Datenerfassung direkt an der Quelle verbessert werden kann – durch mehr Struktur und weniger Freitext. Der erstellte Datensatz bildet nun die Grundlage für die nächste Phase des Projekts.

Diskussion und Apéro
Die Präsentationen führten zu engagierten Diskussionen mit spannenden Fragen, neuen Perspektiven und zahlreichen wertvollen Inputs unserer Gäste. Das anschliessende Format brachte die Teilnehmenden buchstäblich in Bewegung: In einer interaktiven Diskussion wurden die Gäste eingeladen, je nach ihrer Meinung zu Fragen wie „Wird KI die Nutzung von klinischen Routinedaten beeinflussen?“ auf die Seite „Ja“ oder „Nein“ des Raumes zu wechseln. Der Raum teilte sich, gruppierte sich neu, diskutierte – und der Keynote-Speaker, die Projektteams sowie Nicole Ritz, Direktorin des CCHA, griffen die unterschiedlichen Positionen auf, reflektierten die erkennbaren Muster und diskutierten die Chancen und Herausforderungen, die sich für die Zukunft ergeben.

Der Abend klang anschliessend bei einem Networking-Apéro aus, bei dem die Gespräche in entspannter Atmosphäre bis in den Sommerabend hinein weitergeführt wurden.

Danke, und bis nächstes Jahr
Ein herzliches Dankeschön an Christian Baumgartner für die Keynote, an alle Vortragenden für die spannenden Einblicke in ihre Projekte und an unsere Gäste für den engagierten Austausch, der Anlässe wie diesen erst lohnenswert macht.

Wir freuen uns bereits auf den nächsten Midsommar-Event im Jahr 2027.